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Für Jugendarbeitende

Streit und Konflikte gibt es überall. Nicht nur zwischen Kollegen und Kolleginnen, sondern auch oder gerade zwischen Geschwistern. Natürlich gehören Streitereien zum Familienleben dazu; bei einigen Geschwistern gehen solche Streitereien aber auch immer wieder zu weit. Dies kann insbesondere negative Folgen haben, wenn beispielsweise der Grössen- oder Altersunterschied zwischen Geschwistern gross ist oder immer das gleiche Kind von einem oder mehreren anderen gedemütigt, schikaniert oder körperlich angegriffen wird.

Manchmal wird zu Hause nicht über solche Vorfälle gesprochen, weil sie als übliche Geschwisterrivalitäten angesehen werden. Solche Situationen können für Kinder und Jugendliche dennoch oder gerade deshalb belastend und überfordernd sein.

Wichtig ist es, die betroffene Person ernst zu nehmen und ihr zuzuhören. Manchmal ist es vielleicht auch möglich, mit ihrem Einverständnis mit dem entsprechenden Geschwister zu sprechen. Eine allfällige Kontaktaufnahme mit den Eltern sollte immer in Absprache und mit Einverständnis des/der Geschwister erfolgen.

Wenn häufig massive physische oder psychische Gewalt angewendet wird, sollte selbstverständlich Hilfe in Anspruch genommen und Massnahmen ergriffen werden, um das Kind oder die/den Jugendlichen zu schützen. Im Bereich Hilfe gibt es eine Liste von Angeboten für Kinder und Jugendliche in den einzelnen Kantonen.

zum Hilfe-Bereich

Ideen zur Verwendung dieser Website in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Kinder und Jugendliche können darin unterstützt werden, ihre Konfliktlösungskompetenzen zu stärken und weiterzuentwickeln. Diese Website bietet vielfältige Möglichkeiten, um das Thema „Geschwisterstreit“ mit einer Gruppe aufzunehmen und so die Konfliktlösungskompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken.

Im Folgenden werden verschiedene Blöcke beschrieben, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können. Selbstverständlich ist es nicht in allen Settings möglich, so strukturiert vorzugehen. Natürlich kann man in diesen Fällen sehr frei an die Inhalte der Website herangehen. Die im folgenden beschriebenen Ideen sind lediglich als Anregung zu verstehen.

1.    Einführung (ca. 10-15 Minuten)

Es empfiehlt sich eine kurze Einleitung in die Thematik zu machen. Worum geht es? Warum wird das Thema aufgenommen? Was ist ein Streit? Warum gibt es Streit?

Einerseits können dazu Informationen aus dem Zeitungsbericht der Süddeutschen oder der Broschüre der Kinder- und Jugendhilfe St. Gallen (Links) verwendet werden.

Andererseits können auch die Kinder und Jugendlichen gefragt werden, welche Arten von Geschwisterstreit sie aus ihrem Alltag kennen. Entsprechend kann eine Liste erstellt werden, welche konkret veranschaulicht, worüber gesprochen wird.

2.    Hörtexte (ca. 10 Minuten)

In der Kategorie Erfahrungsberichte sind zehn Hörtexte aufgeschaltet. Diese sind auf der Basis von Interviews mit Kindern und Jugendlichen entstanden, welche uns von ihren Streitereien mit Geschwistern erzählt haben. Andere Kinder und Jugendliche haben die Texte anschliessend eingesprochen. Begleitend zu den Hörtexten ist jeweils auch die schriftliche Version aufgeschaltet. Es können ein oder mehrere Hörtexte ausgewählt werden, welche mit den Kindern oder Jugendlichen angehört wird. Die einzelnen Hörtexte dauern zwischen zwei und fünf Minuten.

3.    Vertiefung der Hörtexte (ca. 20-45 Minuten)

Neben der schriftlichen Version der Erfahrungsberichte ist jeweils auch ein Arbeitsblatt mit Diskussionsfragen und Vertiefungsaufgaben auf der Website verfügbar. Je nach Zeitrahmen kann mit diesem Material unterschiedlich tief gearbeitet werden. Einerseits können einfach einige der Fragen mit der Gruppe diskutiert werden. Andererseits ist es aber auch möglich, die Gruppe je nach Grösse in verschiedene Kleingruppen aufzuteilen und ihnen den Auftrag zu geben, die Aufgaben zu bearbeiten. Die Arbeitsblätter sind im Word-Format abgespeichert, damit sie bearbeitet und je nach Gruppe angepasst werden können.

4.    Thermometer als Veranschaulichung von Konflikteskalationen (ca. 20 Minuten)

Das Thermometer (zum Thermometer-Bereich) ist ein einfaches und praktisches Hilfsmittel, um zu veranschaulichen, wie sich ein Konflikt entwickelt. Es ist auch für Kinder leicht verständlich. Das Thermometer reicht von 0 (unten) bis 100 Grad (oben). Ein Streit beginnt meistens sehr klein mit einer Aussage oder eine Geste. Häufig folgt darauf eine Reaktion, welche den Streit erhitzt (zurückgeben). Es geht so weiter – hin und her – bis der Streit eskaliert (100°C).

Der Streitthermometer kann aber auch verwendet werden, um sich zu überlegen, wie ein Streit abgekühlt oder unterbrochen werden kann. Bei jedem Schritt kann auch etwas anderes gemacht oder getan werden, was den Streit nicht weiter anheizt, sondern vielmehr abkühlt. Man merkt, je ‚kühler‘ der Streit ist, desto einfacher ist es, sich anders zu verhalten. Weiter oben ist es immer schwieriger, den Streit zu unterbrechen oder gar abzukühlen.

Auf der Website sind unter zum Thermometer zehn verschiedene Streitereien unter Geschwistern als Thermometer dargestellt. Mit den Kindern und Jugendlichen können diese Thermometer bzw. die Entwicklung der Streitereien nachvollzogen werden:

Erlebt ihr ähnliche Streitereien?

Welche Streitereien kommen bei euch zu Hause häufig vor?

Wie löst ihr solche Streitereien?

Bei welchem Schritt im Thermometer könnte man was sagen oder machen, um den Streit abzukühlen?

Die Thermometer können als PDF inkl. Lösungen heruntergeladen werden (beim jeweiligen Thermometer unten rechts auf der Seite auf das pdf-Symbol klicken), so können eigene Lösungsansätze für den Streit direkt in das Thermometer eingetragen werden.

5.    Thermometer – Spiel (ca. 20 Minuten)

Bei jedem Thermometer kann unten rechts auf den Button „Konflikt abkühlen“ geklickt werden. Man gelangt zu einer Version desselben Thermometers, bei welcher für jeden Schritt drei alternative Handlungsstrategien vorgeschlagen sind. Es muss jeweils entschieden werden, welche Strategie den Streit am meisten abkühlt. Diese Alternative wird angeklickt. Wenn man beim letzten Schritt angelangt ist, kann man unten rechts auf den Button „zu den Antworten“ klicken. Man erhält die Auswertung, bei welchen Schritten, man die abkühlendste Alternative gewählt hat und wo nicht.

6.    Thermometer zu eigenen Geschichten zeichnen (ca. 30 Minuten)

Parallel zu den Thermometern auf der Website können die Kinder und Jugendlichen Thermometer zu ihren eigenen Geschichten aufzeichnen.

Je nachdem kann zuerst ein Beispiel mit der ganzen Gruppe erarbeitet werden:

Wie hat der Streit angefangen?

Was ist dann passiert?

Wer hat was gesagt oder getan?

Wie heiss war der Streit bei den einzelnen Schritten?

Anschliessend erinnert sich jede/jeder an eine eigene Streitsituation und zeichnet ebenso einen Streitthermometer auf. In einem zweiten Schritt werden Lösungen bzw. abkühlende Strategien in der entsprechenden Situation erarbeitet. Die Kinder und Jugendlichen können sich ihre Thermometer gegenseitig präsentierten.

Alternativ können die Thermometer in Gruppen erarbeitet werden. Als Gruppe spielen sie sowohl den Streit als auch dessen Lösung als kleines Rollenspiel vor.